Der Farbholzschnitt in all seiner Schönheit und Vielschichtigkeit hatte es der Weimarer Expertin dieser Technik, Margarethe Geibel (1876–1955), besonders angetan. Autodidaktisch erschloss sie sich diese vor allem durch japanische Holzschnitte bekannte druckgrafische Technik und machte sie in zarten oder prächtigen Farben, mit raffinierten Überlagerungen, aber auch mutig reduzierten Schwarz-Weiß-Kontrasten zu ihrem ganz eigenen künstlerischen Ausdrucksmittel. Zugleich entstanden insbesondere mit den Folgen der Interieuransichten des Goethe-Hauses in Weimar, das sie täglich unmittelbar vor Augen hatte – wohnte sie doch gegenüber in der Seifengasse – bedeutende dokumentarische Zeitzeugnisse.
Das detailreiche Goethezimmer als konkreter Ort weicht in den feinsinnigen Landschaftsdarstellungen der Künstlerin einer Atmosphäre besonnener Ruhe und Einsamkeit. Feld- und Waldwege führen durch Mecklenburg und Thüringen und lassen den Blick in die Ferne schweifen. Der Waldrand stellt dabei einen besonderen Bereich des Übergangs dar – eine Grenze zwischen Tiefe und Dichte sowie Weite und Licht, ganz so, wie Margarethe Geibel diese Gegensätze in der Holzschnitttechnik auslotet. Hier finden sich in ihren Holzschnitten und Lithografien steinerne Brunnen, gewundene Wege, gefällte Bäume und Baumstümpfe.
Derzeit zeigt das Stadtmuseum Weimar anlässlich des 150. Geburtstages der Künstlerin in der Ausstellung "Das freie Meer befreit den Geist. Margarethe Geibel (1876–1955) – Facetten ihres Werkes" ihre Werke.