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Das Geistige aus dem Papier schöpfen

Lore Bert | Kissenraster | Japanpapier, Watte | 1989

26.05.2026

Handgeschöpftes Japanpapier ist uns vor allem aus der künstlerischen Druckgraphik vertraut. Es wartet mit einer besonderen Haptik auf und verleiht der aufgedruckten Farbe eine ganz eigene Qualität. Die an der Berliner Hochschule für Bildende Künste in Berlin u.a. bei Hans Uhlmann ausgebildete Künstlerin Lore Bert (*1963) nutzt die fernöstlichen Papiere aus Japan, Nepal, Korea und China in ihren Werken jedoch ganz anders. Sie lässt sie zum eigentlichen Akteur werden. In ihrem Frühwerk der 1980er Jahre tastet sie sich mit ihrer abstrakten Kunst immer wieder am klassischen zweidimensionalen Bild entlang, füllt Kammern aus Papier dann mit Watte, um Räumlichkeit zu erzeugen. Die Entwicklung hin zum Bildobjekt ist vorprogrammiert: Papiere werden geknüllt, auf Formen platziert und zu raumgreifenden Installationen erweitert. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos. Ebenso wie die Ausgangspunkte ihrer Werke: Eindrücke ihrer Aufenthalte in verschiedenen Ländern, naturwissenschaftliche, mathematische, aber auch philosophische und poetische Schriften von Galilei über Goethe, Rilke, Machiavelli und Dante liefern ein unendliches Potpourri. Dem minimalistischen Raster widmete sich schon die amerikanische Künstlerin Agnes Martin (1912-2004). So reduziert, geradlinig und geometrisch die Arbeiten beider Künstlerinnen auch sein mögen, haben sie doch wenig gemein mit der Strenge der Minimal Art. Denn die von Hand geschöpften Papiere, die zahllosen von Hand gefüllten und geknüllten Papierfelder bei der einen und die filigran von Hand mit Bleistift oder Pinsel gezogenen Linien bei der anderen sind stets Zeugnis der menschlichen Hand und als solche sichtbar gemacht. 

 

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