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Henry Bing

Straßenszene

Jahr: 1912

Technik: Tusche, Farbstift und Deckweiß

Material: Papier

Artikelnummer: KAP202600270

1.200,00 €
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Stk

Darstellung

Ausschnitt einer Straßenszene, in der verschiedene Spaziergänger den Weg entlangflanieren. Im Fokus steht eine rotnasige, vermutlich obdachlose Figur, die an einem Baum lehnt und ihren einfachen Umhang ein wenig hebt, wodurch ein Holzbein darunter sichtbar wird. Diesen Außenseitern in der Gesellschaft widmete sich Bing insbesondere in seinen satirischen Zeichnungen. Dabei betont die schwarze Kontur, wie sie in den Illustrationen des Jugendstils noch üblich war, den Typus Mensch, weil sie beispielsweise seine Körperhaltung noch konkretisiert oder gar überzeichnet.

Beschriftung

Unten rechts signiert "Henry Bing".

Maße

Das Blatt misst ca. 30 x 22,5 cm, das Passepartout misst ca. 59 x 49 cm.

Zustand

Das Blatt ist unter Passepartout montiert und hochertig unter Museumsglas im weißgold gefassten Holzrahmen mit Perlstab gerahmt. Gut erhalten.

Provenienz

Aus dem deutschen Kunsthandel.

Henry Bing (geboren 1888 in Paris; gestorben 1965 ebenda) war ein französischer Maler, Zeichner und Lithograf. Bereits im Alter von siebzehn Jahren begann er für die bedeutenden deutschen Satire- und Kunstzeitschriften Jugend und Simplicissimus zu arbeiten, für die er in den folgenden zehn Jahren rund neunhundert Zeichnungen schuf. Spätestens 1905 lebte Bing in München und bewegte sich im Kreis der dortigen Bohème. Er war regelmäßiger Gast im Café Stefanie, einem zentralen Treffpunkt der avantgardistischen Künstler- und Literaturszene, wo er mit zahlreichen prägenden Persönlichkeiten der Zeit in Kontakt stand. Seine Einkünfte erzielte er durch Honorare und Tantiemen aus seinen Veröffentlichungen sowie durch den Verkauf seiner Originalzeichnungen. Ab 1912 wurde sein Werk zudem von den Münchner Kunsthändlern Franz Josef Brakl und Hans Goltz vertreten. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Bing als feindlicher Ausländer interniert, was seine künstlerische Laufbahn abrupt unterbrach. Nach Kriegsende wurde er entlassen und kehrte 1920 nach Paris zurück. Dort wandte er sich dem Kunsthandel zu und spezialisierte sich auf die Moderne. In diesem Zusammenhang handelte er unter anderem mit Werken von Henri Rousseau, Robert Delaunay, Amedeo Modigliani und Chaim Soutine. Inhaltlich widmete er sich in seinen Werken vor allem Randfiguren der Gesellschaft wie Arbeitern, Bettlern, Dienstmädchen oder Straßenhändlern, aber auch Szenen aus dem Künstler- und Kaffeehausmilieu. Trotz ihres satirischen Charakters sind seine Darstellungen von Empathie geprägt und zielen auf ein vertieftes Verständnis für soziale Außenseiter.

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