Mutter mit Kind, Allegorie

Jan Philip Koelman

o.J.

Öl auf Holz

Holz

Artikelnummer: K202101288

Allegorische Szene. Der niederländische Maler Jan Philip Koelmann (1818-1893, Den Haag) war 1846 nach Rom aufgebrochen, um in der Schule des damals bekannten Kunstlehrers Cornelis Kruseman zu studieren. In Italien angekommen wurde Koelmann, entgegen seiner Absicht, in die damals aufflammenden politischen Umwälzungsprozesse verstrickt. Das ging soweit, das der junge Mann 1848 auf Seiten der revolutionären Einheiten unter Giuseppe Garibaldi für die Freiheit Italiens in den Straßenkampf zog. Überall im Land wurde damals die Idee von einem italienischen Nationalstaat propagiert. Auch die Kunstwelt blieb von diesem „Werbefeldzug“ nicht unbeeinflusst. In vielen zu dieser Zeit entstandenen Bildern finden sich allegorische Darstellungen und/oder Symbole, die in unmittelbaren Bezug zu den politischen Ereignissen stehen. Auch Koelmanns nicht datiertes Gemälde lässt sich in diesem geschichtlichen Kontext lesen. Im Mittelpunkt seiner Darstellung sitzt eine junge Frau in entspannter Haltung. Sie trägt eine für das 19. Jh. überlieferte Tracht. In der linken Hand hält sie einen gesenkten Hirtenstab, dessen oberes Ende mit einem kleinen Kreuz verziert ist. Liebevoll blickt die Frau auf das Weidenkörbchen zu ihrer Rechten. Das schwere Tuch ist leicht zur Seite gerutscht und gibt den Blick auf ein Neugeborenes frei. Das Kind ist in weiße Kleidung gehüllt und schläft ruhig Den Hintergrund der Darstellung füllt eine üppig gewachsene, uralte Edelkastanie. Ihre Blätter und Früchte werden noch leicht von dem Lichtkegel, der Mutter und Kind erstrahlen lässt, berührt. Am vorderen Rand des Bildes sind ein Pinienzweig, Edelwieß und weitere Pflanzen auszumachen. Wie lassen sich diese hier kurz skizzierten Bilddetails interpretieren? Frau und Kind, die Jan Koelmann durch geschickte Lichtführung und Farbkomposition zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt hat, sind ein Sinnbild für die wachsende italienische Nation. Der in der Geburt ausgedrückte Wunsch nach einem Neuanfang spiegelt sich auch in der dargestellten Flora wider. Denn Pinie und Kastanie gelten seit der Antike als Symbol der Auferstehung. Dem gegenüber steht der gesenkte Hirtenstab. Er ist ein Zeichen für die niedergerungene Herrschaft des Pontifikates und den Bruch mit den überkommenen Traditionen. Auch wenn die revolutionäre Idee in Koelmanns Gemälde lebendig erscheint, ist das Bild wahrscheinlich erst in den späten 1850er Jahren nach Vorstudien entstanden. Es besticht durch die feinsinnige Bildsprache und die detaillierte Malweise, mit der Jan Philip Koelmann seine malerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt.

Am unteren Rand handschriftlich signiert „J. Philip Koelman“.

Die Tafel misst ca. 44,5 x 44,5 cm, der Rahmen misst ca. x cm. Der Rahmen ist geöffnet.

Zustand

Der Farbauftrag ist altersbedingt gebräunt, leicht angeschmutzt und stellenwiese etwas fleckig. Die Oberfläche ist krakeliert und weist vereinzelt kleinere Farbabplatzungen auf. An Rand und Ecken stark bestoßen und berieben. Die Darstellung ist in einem guten Zustand.

Provenienz

Aus Berliner Privatbesitz.

Vita Jan Philip Koelman

Jan Philip Koelman (geboren 1818 in Den Haag; gestorben 1893 ebenda) war ein niederländischer Maler und Grafiker. Nach einem Italienaufenthalt von 1839 bis 1842 studierte er an der königlichen Akademie in Den Haag. Ab 1844 ging er bis 1857 erneut nach Italien wo er sich vermutlich Garibaldis Verteidung Roms gegen die französische Streitkraft anschloss. Seine Memoiren sind eine wichtige Quelle für Garbibaldis Wirken in dieser Zeit. Ab 1857 liess er sich dauerrhaft in Den Haag nieder und wurde 1870 der Direktor der Kunstakademie.

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