József Pécsi, in deutschsprachigen Publikationen meist Josef Pécsi (geboren 1889 in Budapest; gestorben 1956 ebenda), war ein ungarischer Fotograf, Fotokünstler, Fachautor, Lehrer und Sammler und zählt zu den prägenden Figuren der ungarischen Fotografie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie, wuchs zweisprachig auf und pflegte früh enge Kontakte zur internationalen Fotoszene. 1909–1911 studierte Pécsi an der Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München. Kurz nach dem Abschluss eröffnete er 1911 in Budapest sein eigenes Atelier, in dem er neben Auftragsarbeiten auch privaten Unterricht gab und rasch internationale Anerkennung auf Ausstellungen und Salons erlangte. 1913/14 richtete er an der Budapester Iparrajziskola (heute Kunstgewerbeschule) eine eigene Fotoklasse ein und gilt seither als einer der Begründer der systematischen fotografischen Ausbildung in Ungarn. Künstlerisch entwickelte sich Pécsi von der Piktorialfotografie – weich gezeichnete, malerisch angelegte Porträts und Landschaften in edlen Verfahren – hin zu einer modernen, vom „Neuen Sehen“ und der Neuen Sachlichkeit beeinflussten Werbe- und Modefotografie. Zu seinen zentralen Werkgruppen zählen Selbstbildnisse, Akte und Stillleben, die heute als Schlüsselwerke der ungarischen Fotogeschichte gelten. Parallel dazu veröffentlichte er grundlegende Schriften, darunter das Lehrbuch A fényképező művészete (Die Kunst des Fotografen, 1916) sowie den Berliner Aktband 12 Aktaufnahmen von Josef Pécsi (1922). Sein zweisprachiges Buch Photo und Publizität / Photo and Advertising (Berlin 1930) gehört zu den frühesten und einflussreichsten Publikationen zur Werbefotografie und propagiert die enge Verknüpfung von Fotografie, Typografie und moderner Grafik. In den 1920er-Jahren war Pécsi Vizepräsident der Budapester Fotografeninnung, Chefredakteur der Fachzeitschrift Magyar Fotográfia und wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt; sein Atelier wurde zu einem wichtigen Treffpunkt für junge Fotografinnen und Fotografen, unter ihnen Éva Besnyő und György Kepes. Während des Zweiten Weltkriegs musste er aufgrund seiner jüdischen Herkunft untertauchen. Nach 1945 fand er im neuen politischen System kaum noch Anerkennung, verarmte und arbeitete in den 1950er-Jahren vor allem als Hersteller von Pass- und Ausweisfotos für Behörden.