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Kennzeichen roter Faden

Wohl Ernst Meyer | Mutter mit Kleinkind | Gouache | Mitte 19. Jh.

20.05.2026

Treffen künstlerisches Talent, literarisches Verständnis und unbändige Wanderlust in einem Individuum glücklich zusammen, erwartet den Rezipienten ein Feuerwerk der Sinne. Der Maler Ernst Meyer (1797-1861) war solch ein begabter Kosmopolit - er studierte an der Kunstakademie Kopenhagen, konnte sich in den Jahren 1816 und 1818 die dort verliehene Silbermedaille sichern, die Goldmedaille aber blieb ihm trotz zweimaliger Bewerbung verwehrt. Frustriert zog sich Meyer nach Dresden und München zurück, illustrierte in brillanter Manier deutsche Klassiker wie Goethes "Faust", schuf eine eindrückliche Anzahl Porträts bayerischer Volkstypen und erfreute sich bald einer illustren Fangemeinde. Den Überredungskünsten seines Bildhauerfreundes Herman Bissen folgend, zog er 1824 nach Rom und von dort nie wieder weg. Auch hier interessierte sich der Maler besonders für das tägliche Leben, das er im Akkord skizzierte und begeistert (immer unter Einsatz mindestens eines knallroten Kleidungsstückes) in Gemälde bannte, deren feinsinnig-zwischenmenschliche Dynamiken auch heute noch berühren. Meyer reiste von Italien aus durch ganz Europa, dies allerdings nicht nur interessen - sondern auch gesundheitshalber. Ab 1850, teils gelähmt, fiel ihm die Ölmalerei immer schwerer, er ließ sich von französischen Kollegen in Aquarelltechniken unterweisen - und auch hier brachte es der Künstler zur Perfektion, übertrug Sequenzen seiner teils großflächigen Leinwandarbeiten ins handliche Papierformat, experimentierte mit Materialien sowie Kolorit und schuf immer wieder neue, luftige Variationen kleinerer Figurengruppen. Aus dem hier vorgestellten, schnell und flächig gesetzten Mutter-Kind-Gespann diffundieren aber nicht nur die ästhetischen Vorzüge der mediterranen Wahlheimat, sondern erneut die wunderbaren Fähigkeiten Meyers zur versierten Übermittlung tiefen Gefühls.

Zu dem Werk geht es hier

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