Findet ein Brief der Berliner Museumskoryphäe Wilhelm von Bode (1845–1929) auf den Markt, frohlocken Kunst- und AutographenjägerInnen gleichermaßen. Bald nach dem Tode des erststudierten Juristen im März 1929, lässt die trauernde Witwe den Großteil des schriftlichen Nachlasses
- rund 18 laufende Meter - in 14 Kisten zur Aufbewahrung in die Staatlichen Museen bringen, wo er noch heute (sowohl im Geheimen Preußischen Staatsarchiv als auch im Zentralarchiv) residiert. Der hier vorgestellte Doppelbogen, Ende Februar 1910 im Charlottenburger Domizil verfasst, geht an den in der Berliner Gemäldesammlung angestellten und noch nicht ganz promovierten Direktorialassistenten Eduard Plietzsch. Der Hauptteil des Briefes behandelt eine Publikation, die mit Abbildungen versorgt und durchgesehen werden soll, außerdem ein Gemälde des von Bode intensiv beforschten Porträtklassizisten Georg David Matthieu, das wohl gut gegen ein Äquivalent von Anton Graff oder Johann H. W. Tischbein eingetauscht werden könne. Spannender aber ist der unter die Signatur des erst 1914 geadelten Kunstbeflissenen gesetzte Nachtrag: Der in den Münchener Museen beschäftigte Tschudi-Vertraute Heinz Braune offeriert dem Berliner Sammlungsoberhaupt kurz zuvor ein auf 1515 datiertes Männerbildnis, das Bode - hier vermerkt - zu beschauen gedenkt. Der für das Werk entflammte Renaissance-Spezialist schickt neben zahlreichen Fotos auch immer wieder neue Einschätzungen in die Hauptstadt und bittet um Expertise; er selbst wähnt Bernhard Strigel als Urheber der Tafel. Bode hält dagegen und schreibt sie dem bis dahin nur wenig beachteten Hans Maler zu Schwaz zu. Dass die Korrespondenz beider zuweilen hitzig vonstatten geht, kann auch aus Briefen Dritter entnommen werden. Bode verzichtet letztlich auf den Kauf, das Porträt zieht in die Sammlung des Schlossmuseums Weimar ein, wird heute als Arbeit Hans Malers verstanden und auch der ernst blickende Protagonist ist mittlerweile als kaiserlicher Rat Siegmund von Dietrichstein zweifelsfrei identifiziert.