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Paul Heinrich Müßigbrodt (auch Müssigbrodt) (geboren 1858 in Niederwiesa (Schlesien); gestorben 1923 in Berlin) gehörte zur leitenden staatlichen Bauverwaltung des Kaiserreichs und der frühen Republik und wirkte zugleich über viele Jahre als Hochschullehrer an der Technischen Hochschule Berlin. Als Beamter führte er den Titel Geheimer Oberbaurat und war Ministerialrat im (Preußischen bzw. später) Reichsfinanzministerium. An der TH Berlin wurde er 1922 zum Honorarprofessor ernannt. Seine akademische Laufbahn an der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin begann 1898 als Privatdozent. 1901 wurde er Dozent, 1904 Professor (mit Prädikat) und ab 1919 lehrte er an der nunmehrigen Technischen Hochschule bis zu seinem Tod. Sein Fach war die „Architektonische Formenlehre“, also die systematische Lehre von Formen, Gliederungen und Detailbildung im Hochbau – ein verbindendes Grundlagenfach zwischen Entwurf und Baupraxis. Parallel zur Lehrtätigkeit machte Müssigbrodt in der staatlichen Bauverwaltung Karriere (u. a. als Landbauinspektor, später als Geheimer Oberbaurat und Ministerialrat). Er war in der fachöffentlichen Selbstorganisation präsent und wird—ab 1907—als Mitglied des neu gegründeten Deutschen Ausschusses für Eisenbeton geführt, der die Grundlagen und Regeln des Stahlbetonbaus in Deutschland entwickelte. In seinem beruflichen Umfeld korrespondierte er u. a. mit dem Architekten und Reformtheoretiker Hermann Muthesius. Als Entwerfer hinterließ Müssigbrodt Zeichnungen und Wettbewerbsarbeiten, die heute im Architekturmuseum der TU Berlin überliefert sind. Zu den frühesten Blättern zählen die 1880 datierten Villa-Entwürfe („Ansicht des Eingangs“) sowie eine Serie von „Villa“-Zeichnungen aus 1880/81. 1891 beteiligte er sich an der Monatskonkurrenz des Architekten-Vereins zu Berlin zur „Verbesserung der Straßeninsel südlich der Potsdamer Brücke“, wozu Lageplan, Grund- und Aufrisse sowie Ansichten erhalten sind. In der Praxis war Müssigbrodt als Regierungsbaumeister u. a. an der Ausführung großer Kasernenbauten in Berlin. Auch publizistisch trat Müssigbrodt hervor: Er war Mitautor des maßgeblichen „Handbuchs der Architektur“ und zeichnete dort gemeinsam mit Eduard Schmitt und Paul Spieker für das Heft „Medizinische Lehranstalten der Universitäten. Technische Laboratorien und Versuchsanstalten. Sternwarten und andere Observatorien“ verantwortlich. Mit seiner doppelten Rolle als hoher Baubeamter und Hochschullehrer stand er exemplarisch für die enge Verzahnung von staatlicher Baupraxis, Normungs- und Regelwerksarbeit (Eisenbeton) und akademischer Lehre in der Übergangszeit vom späten Historismus zur frühen Moderne.
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Paul Heinrich Müßigbrodt
Architektonischer Entwurf eines Kirchenchores
1887, Aquarell, Gouache, Feder und Goldhöhung
Darstellung: Aufriss eines gotischen oder neogotischen Kircheninnenraumes, den Chor mit Altar zeigend. In feinster Akribie und bauzeichnerischer Akkuratesse sind drei Kirchenfenster des Chores ins schmale Hochformat gefasst. Die beiden seitlichen Fenster neigen sich perspektivisch, die Kapitelle der Säulen sind am linken und rechten Blattrand als Durchschnitt angedeutet. Die Buntglasfenster sind durchsetzt von Szenen der Heiligen Drei Könige mit ihren Gaben zur Geburt Jesu. Diese wiederum sind eingefasst in architektonische Ziertürmchen als Buntglas. In den Spitzbögen finden sich feingliedrige Ornamente und der Altaraufbau ist hinterfangen von einem sternenbesetzten Tuch, vor dem sich die Skulptur des gekreuzigten Jesus blass abhebt. Lichtstrahlen dringen von links durch die Fenster in das majestätische Bauwerk und intensivieren die Stimmung. Beschriftung: Im unteren rechten Eck von Hand in roter Feder bezeichnet und datiert "Die Ausarbeitung dieses Entwurfes und die Anfertigung dieser Zeichnung ohne fremde Hilfe versichert an Eides satt / Berlin, den 14. Januar 1887" sowie signiert "Müssigbrodt Regierungs-bau …(?)". Maße: Das Blatt misst ca. 87 x 41,5 cm. Zustand: Das Blatt ist altersbedingt sehr schwach gebräunt. An den Rändern durch ehemalige Rahmung stellenweise berieben bzw. mit geringem Farb- bzw. Materialverlust. Im unteren rechten Eck stockfleckig und mit Knickspuren. Im übrigen sehr gute Erhaltung und die Farben kräftig. Provenienz: Aus westdeutschem Privatbesitz.