Startseite: Willi Schmid
Sicherlich ist der Name Willi Schmid, genau wie sein umfassendes künstlerisches Werk, vielen von uns nicht geläufig. Doch schon zu Lebzeiten stellte der zu Unrecht in Vergessenheit geratene Maler, dessen Oevre in der Tradition der ‚Neuen Sachlichkeit‘ steht, deutschlandweit aus. Vor allem in seiner Heimatstadt München, wo Schmid 1890 als Sohn einer Schneidermeisterfamilie geboren worden war, wurden seine Arbeiten u.a. in der Neuen Pinakothek und dem Deutschen Museum gezeigt. Neben Zeichnungen und Gemälden auf Leinwand schuf Willi Schmid bereits in seinen frühen Schaffenjsahren auch mehrere großformatige Fresken. Doch 1938 erfolgte die Beschlagnahmung eines seiner Gemälde. Bei weiteren drei Arbeiten ist der Verbleib bis heute unbekannt. Es ist nicht auszuschließen, dass Schmids Bilder, ähnlich wie die anderer Maler jener Zeit, als sog. ‚entartete Kunst‘ aus den Museen entfernt wurden. Als Reaktion auf diese politisch motivierte Diffamierung seiner Person, zog er sich mit seiner Familie aus der Großstadt München an den Tegernsee zurück. Dort lebte und arbeitete Schmid abgeschieden und stellte erst nach Kriegsende, als Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft, wieder in den großen Sommerausstellungen im Haus der Kunst aus. Wir präsentieren erstmals seit dem Tod des Künstlers am 30. Juni 1957 eine umfangreiche Sammlung seines Lebenswerkes. Der Bogen seines Schaffens spannt vom fast fotografisch naturgetreuen Porträt hin zu großen Traumlandschaften und Darstellungen religiös-mystischer Legenden. Besonders charakteristisch sind dabei seine rhythmisch geschwungenen Linien sowie die moderne Farbwahl, durch die der Künstler seine Gemälde mit wenigen Mitteln zum Leuchten bringt.
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Willi Schmid
Betende Madonna
Um 1925, Ölmalerei
Darstellung: Das um 1925 entstandene Marienbildnis holt das traditionsreiche Bildsujet der Marienfigur meisterlich in seine progressive Entstehungszeit. Der schmalovale und überlängte Frauenkopf greift ganz die Stilistik des Art déco auf, die Komplementärfarben Gelb und Blau beleben expressionistisch die eigentlich intim gestaltete Szenerie der in einer Blumenwiese knienden Madonna mit Heiligenschein, die ihre Hände zum Gebet erhoben hat und ihr Gesicht kontemplativ senkt. Die Konturlinien von Figur und Schleier bewahren Maria vor der Auflösung in einem All voller Sterne und kosmischer Nebel. So vereinen sich Glaube, Transzendenz und Naturwissenschaft in diesem Werk. In einer Vorstudie lotete Willi Schmid die Figurenposition aus und fertigte ein weiteres, sehr ähnliches Gemälde der Maria mit der weißen Lilie, das als Pendant verstanden werden kann. Beschriftung: Links unten im Bild signiert "Willi Schmid". Rückseitig auf der Leinwand mit kleinem aufmontiertem Etikett einer Speditionsfirma. Maße: Die Leinwand misst ca. 100,5 x 63 cm. Zustand: Die Oberfläche ist altersbedingt schwach gebräunt und teils leicht fleckig. Die Ränder der Leinwand sind gering berieben. Der Keilrahmen leicht durchschlagend. Im Übrigen ist das Gemälde in einem sehr guten Zustand. Provenienz: Aus Berliner Privatbesitz.
Willi Schmid
Liegender Frauenakt in der Landschaft
1919, Ölmalerei
Darstellung: In der Ästhetik des Art Déco platziert Willi Schmid seinen liegenden weiblichen Akt in eine Landschaft aus sanften Hügeln, die die weibliche Silhouette gekonnt aufgreift. Knapp unterhalb des Schoßes bedeckt ein zartes Tuch mit welligem Faltenwurf die Beine der Sinnenden und wird beinahe Eins mit der umgebenden Natur. Den Ellenbogen aufgestützt und die andere Hand zum gesenkten Kopf erhoben, hält die Figur ihre Augen geschlossen, ist ganz in sich gekehrt. Hier und da begrenzen zarte Pinsellinien die Körpervolumina, zeichnen sie nach, wo an anderer Stelle ein weiches Sfumato die Grenzen verwischt. - Rückseitig mit begonnener Skizze (Landschaft mit Bäumen und Figur?). Beschriftung: Im unteren linken Eck signiert und datiert "Willi Schmid 1919". Rückseitig auf dem Keilrahmen in Blei (von anderer Hand?) unleserlich bezeichnet. Maße: Die Leinwand misst ca. 70 x 80 cm. Zustand: Teils mit Cracquelée, an den Kanten wenig berieben und vereinzelt kleinere Farbausbrüche. Partiell fachmännisch restauriert. Insgesamt gut erhalten und farbfrisch.
Willi Schmid
Frauenbildnis mit weißer Lilie
1938, Ölmalerei
Darstellung: Eine Frau in Mantel steht in einer nächtlichen Landschaft unter Vollmond und Sternen. Sie hält eine weiße Dahlie in der Hand. Ein goldenes Leuchten geht von ihr und dem Berg hinter ihr aus. Beschriftung: Links unten im Bild signiert und datiert. Rückseitig Klebeetikett. Maße: Die Leinwand misst ca. 105 x 80,5 cm. Zustand: Der Farbauftrag ist altersbedingt gebräunt, stellenweise krakeliert, atelierspurig und fleckig. An einigen Stellen kleinere Farbabplatzungen und Trockenrisse. An Rand und Ecken berieben und bestoßen. Im Übrigen ist die Darstellung in einem guten Zustand. Provenienz: Aus süddeutschem Privatbesitz.
Willi Schmid
Flusslandschaft mit Bergen
1956, Ölmalerei
Darstellung: Blick in eine weite Landschaft im typischen Stil des Künstlers mit gedeckten Farben. Feinst ausgeführte Details. Ein Fluss windet sich durch eine baumbestandene Ebene, im Hintergrund erheben sich schneebedeckte Berge. Beschriftung: Am unteren Rand handschriftlich signiert und datiert "Willi Schmid 1956". Maße: Die Tafel misst ca. 16,5 x 27,5 cm. Zustand: Die Kanten leicht bestoßen. In der linken Bildhälfte teils oberfächliche kleinere Beschädigungen (retuschiert). Im Übrigen gut erhalten. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Willi Schmid
Sarkophag mit Beweinungsgruppe
1930er/ 1940er Jahre, Kohle und Kreiden
Darstellung: Fein nuancierte Skizze eines Sarkophags mit Beweinungsgruppe. Maße: Das Blatt misst ca. 48,5 x 40,5 cm. Zustand: Die Darstellung nuanciert und kontrastreich, gut erhalten. Der Bogen Bütten mittig horizontal gefalzt, gebräunt, griff- und atelierspurig, blass stockfleckig, in den Kanten bestoßen und knickfaltig, hier vereienzelt winzige Risse, im linken Rand Nadellöchlein. Sonst in gutem zustand. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Willi Schmid
Frauenakt
1940er Jahre, Kohle
Darstellung: Stark bewegter, expressiver Frauenakt. Maße: Das Blatt misst ca. 32,0 x 23,0 cm. Zustand: Die Darstellung kontrastreich, gut erhalten. Der Bogen vergilbt, griff- und atelierspurig, in den Kanten bestoßen, in den Ecken Nadellöchlein. Sonst in gutem Zustand. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.