Das Einfache leben – das einfache Leben: Gesichtslos und durchlässig erscheint die Mutter mit ihrem Kind in einem gelben Tragetuch auf dem Rücken. Leicht nach vorn gebeugt von der wachsenden Last ist ihr Kopf von einem großen Hut überdacht. Immer wieder fing der französische Maler und Grafiker Louis Toffoli (1907-1999) das eher einfache Leben verschiedenster Nationen ein, welches er auf seinen Reisen nach Mexiko, Brasilien, China, Israel und Spanien kenenlernte. Die Menschen in ihrer traditionellen Kleidung gehen spezifischen Arbeiten und Tätigkeiten des Alltages nach. Die formal einfache Umsetzung der mehrheitlich isolierten Figuren im undefinierten Raum entspricht der vom Künstler intendierten Schlichtheit des Bildinhaltes. Fehlende spezifische Gesichter untermauern den künstlerischen Ansatz, die Allgemeingültigkeit und das Grundlegende dieser Tätigkeiten zu vermitteln. Neben dem Melonenschneider, dem Schreiner, Schuster oder Fischer und den Feldarbeitern ist die Mutter mit ihren Kindern selbstredend Teil der Lebensrealität. In unserer üblicherweise als „La femme de Hong Kong“ betitelten Farblithographie bindet die Mutter ihr Kind, wie seit Jahrhunderten in vielen Ländern üblich, in ihren Tagesablauf ein und Toffoli zeigte in seinen Werken zahllose Varianten der Mutter als Stillende, Tragende und Fürsorgende. Seit 1954 erlernte er in den omnipräsenten Pariser Ateliers des Verlegers Fernand Mourlot das Verfahren der Lithographie und nutzte die Technik geschickt zur Herstellung transluzider Farbflächen. Er selbst arbeitete zunächst als Schneider und Schmied, besuchte nebenher Abendkurse an der Triester Kunstakademie und stellte in den 1930er Jahren im Salon d’Automne und im Salon des Indépendants aus.
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